Page 2 - Arbeitsbekleidung Wien | Stickerei DIMAS 2018
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Zertifizierungen/Standards/Mitgliedschaften/Initiativen




       PRODUKTBEZOGENE SIEGEL UND ZERTIFIZIERUNGEN          Kernarbeitsnormen zugrunde. Enthalten sind Regelungen zu Arbeitsverhältnis, Nichtdis-
                                                            kriminierung, Arbeitszeiten, Kinderarbeit, Missbrauch, Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit,
                                                            Kollektivverhandlungen, Gesundheit, Sicherheit, Umwelt und Vergütung. Die Einhaltung wird
                 EN ISO 20471:
                                                            von der FLA jährlich geprüft. Die Unternehmen erhalten klare Führung und Unterstützung
                                                            zur Einhaltung des Verhaltenskodex. Durch die Nutzung von Benchmarks werden spezifische
                 Warnschutznorm zur Zertifizierung von Bekleidung, die beim Arbeiten in
                 Situationen mit hohem Risiko übersehen zu werden getragen wird. Die  Anforderungen zur Einhaltung der einzelnen Punkte des Code of Conduct festgelegt. Es wird
                                                            von den Unternehmen erwartet Verbesserungen vorzunehmen, wenn gewisse Standards nicht
                 Einstufung der Artikel in 3 unterschiedliche Klassen ist abhängig von der
                 erlaubten Fahrgeschwindigkeit (≤ 30km/h (Klasse 1), 31-60km/h (Klasse  erfüllt werden. Die erfolgreiche Verifizierung ist jeweils für 2-3 Jahre gültig.
                 2), > 60km/h (Klasse 3)), sowie der Fläche an verwendetem fluoreszie-
                 renden Hintergrundmaterial und Reflexmaterial für die 360° Sichtbarkeit
       bei Tag und Nacht. Zur Erreichung von Klasse 3 müssen daher Torso, sowie Arme und/oder  Fair Wear Foundation:
       Beine bedeckt werden. Diese Klassifizierung kann auch durch die Kombination von mehreren
       Artikeln, wie bspw. Jacke und Hose erreicht werden. Da die Gesamtfläche aller angebrachten   Der Fokus dieser unabhängigen Multistakeholer Initiative liegt auf der
                                                                        Einhaltung von sozialen Standards in Nähfabriken, sowie bei deren
       Logos von den sichtbaren Flächen abgezogen wird, ist vor Veredelung unbedingt zu prüfen,
                                                                        Subunternehmern und Lieferanten. Die Stimmrechte sind zu jeweils 25%
       ob die Artikel nach Veredelung noch den vorgeschriebenen Mindestwerten entsprechen.
       Die Kennzeichnung erfolgt über das Piktogramm in der Kleidung, wobei anstelle des X die   auf NGOs und Gewerkschaften und zu 50% auf Unternehmen aufgeteilt.
                                                            Die Unternehmen verpflichten sich zur Einhaltung des Verhaltenskodex (Code of Labour
       erreichte Klasse eingetragen wird.
                                                            Practices). Dieser umschließt die folgenden 8 Themenblöcke: Kinderarbeit, Zwangsarbeit,
                                                            Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Arbeitsverträge, Zahlung existenzsichernder Löhne,
                                                            Vereinigungsfreiheit und Recht auf Tarifverhandlungen, Nichtdiskriminierung, Arbeitszeiten.
               FAIRTRADE zertifizierte Baumwolle:
                                                            Grundlage dafür bieten u.a. die ILO Kernarbeitsnormen und UN Menschenrechtserklärung.
                                                            Die Nutzung des Labels an der Kleidung darf nur erfolgen, wenn mindestens 90% des
               Die Standards dieses an der Kleidung angebrachten Gütesiegels werden von
               der Fairtrade International vorgegeben. Eine Zertifizierung darf ausschließlich  Produktionsvolumens in das Monitoring System integriert sind und im sogenannten Brand
                                                            Performance Check einen Benchmarking Score von 75+ erreichen. Die FWF prüft und be-
               die FLO-CERT GmbH vornehmen. Die Zertifizierung bezieht sich auf die in
                                                            wertet die Mitglieder und berichtet öffentlich über den aktuellen Status. Falls nötigt werden
               der Produktion verwendete Baumwolle und zielt darauf ab einen Beitrag zur
               Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauern zu leisten. Den  den Unternehmen im Anschluss notwendige Verbesserungsmaßnahmen vorgegeben, deren
                                                            Umsetzung dokumentiert werden muss.
       Produzenten wird ein zumindest kostendeckender Baumwollpreis zugesichert. Zusätzlich
       wird eine Prämie für Soziales, Infrastruktur und Bildung gezahlt über deren Verwendung
       das Kollektiv gemeinsam entscheidet. Falls gewünscht muss der Abnehmer einen Teil der
                                                                      SA 8000:
       Ernte vorfinanzieren und es müssen langfristige und stabile Handelsbeziehungen angestrebt
       werden. Die Bauern müssen sich in Kooperativen zusammenschließen und gewisse soziale
                                                                      Dieser 1989 von Social Accountability International gegründete Standard
       (Verbesserung der Arbeitsbedingungen nach ILO Richtlinien), ökonomische (Umwelt- und
       Klimaschutz) und umweltrelevante (Waren- und Geldfluss) Bedingungen einhalten, die  legt überprüfbare Kriterien fest, die Arbeitsstätten erfüllen müssen, um
                                                                      eine Zertifizierung zu erhalten. Die Basis dieser Multistakeholder Initiative
       auch durch die Zertifizierungsstelle kontrolliert werden. Die zusätzliche Prämie wird häufig
                                                                      bilden die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ der UN, Überein-
       genutzt, um auf biologischen Anbau umzusteigen.
                                                                      kommen der ILO, internationale Menschenrechtsnormen und nationale
                                                                      Arbeitsrechte. Entscheidungen werden gemeinsam von Unternehmen,
                                                                      Regierungen, Gewerkschaften und NROs getroffen. Die Zertifizierung
                     Oeko-Tex Standard 100:
                                                            muss für jede Produktionsstätte erfolgen und gilt jeweils 3 Jahre. Eine Besonderheit ist die
                                                            Nutzbarkeit für alle Organisationen unabhängig von Branche, Größe und sonstigen Faktoren.
                     Die Verwendung dieses Produktsiegels in Bekleidung bestätigt die
                     Schadstoffprüfung aller Verarbeitungsstufen des Produktes auf   Es sind Vorgaben zu folgenden Themenbereichen enthalten: Kinderarbeit, Zwangs- oder
                                                            Pflichtarbeit, Gesundheitsschutz und Sicherheit, Vereinigungsfreiheit & Recht auf Tarifver-
                     gesetzlich verbotene, reglementierte und gesundheitsbedenkliche
                     Substanzen, sowie Parameter zur Gesundheitsvorsorge. Alle Be-  handlungen, Diskriminierung, Disziplinarmaßnahmen, Arbeitszeit, Vergütung, Management-tt
                                                            system.
       standteile des Endproduktes (Nähgarn, Knöpfe, etc.) müssen den vorgegebenen Grenzwerten
       entsprechen. Abhängig vom Ausmaß des Hautkontaktes erfolgt eine Einteilung in 4 Produkt-tt
       klassen, die strengsten Anforderungen müssen Produkte für Kleinkinder und Babys erfüllen.
                                                                       Supplier Ethical Data Exchange (SEDEX):
       Die Zertifizierung muss jährlich erneuert werden.
                                                                       Auf dieser Online Plattform werden in einer Datenbank Informationen
                                                                       gesammelt und weitergegeben und Berichte erstellt. Folgende Themen-
               Organic Content Standard 100 (OCS 100):
                                                                       bereiche werden abgedeckt: Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Sicherheit,
                                                                       Umwelt und Unternemensethik. Auf der Plattform werden Informationen
               Die Standards für dieses in der Kleidung angebrachte Produktsiegel werden
               von der gemeinnützigen Organisation Textil Exchange festgelegt. Diese Zer-  zu ethischen und verantwortungsbewussten Handeln abgeleitet aus ILO Konventionen, ETI
                                                            Basis Kodex, SA8000, ISO14001 und branchenspezifischen Verhaltenscodices gespeichert.
               tifizierung ersetzt den OE 100 Standard. Abhängig vom Anteil an Biomaterial
                                                            Lieferanten füllen einen Selbstbeurteilungsbogen aus, fügen diesem Zertifizierungen und
               finden das OCS 100 (95-100% kbA/kbt Fasern) bzw. das OCS Blended
               (5-94% kbA/kbt Fasern) Logo Anwendung. Durch diesen Standard sollen  Prüfberichte hinzu und entscheiden wer diese Informationen sehen darf. Einkäufer können
                                                            eine Risikoanalyse durchführen, Berichte ihrer Lieferanten einsehen und die Performance
               Kontaminierungen vermieden werden und die Verwendung von Bio-Naturfa-
               sern nachvollziehbar gewährleistet werden. Die Zertifizierung muss lückenfrei   ihrer Lieferkette im Auge behalten. Die Mitgliedschaft ist unabhängig von Größe, Branche
                                                            und anderen Faktoren. Die Regeln verlangen, dass Mitglieder nach besten Kräften dafür
               über die gesamte Wertschöpfungskette erfolgen.
                                                            sorgen, dass die angegebenen Informationen der Wahrheit entsprechen. Die Angaben werden
                                                            allerdings nicht von der Organisation verifiziert oder validiert.
       TEXTILVEREINIGUNGEN/INITIATIVEN
                                                                       Worldwide Responsible Accredited Production (WRAP):
                    Business Social Compliance Initiative (BSCI):
                                                                       Diese im Jahr 2000 von der US-amerikanischen Handelsorganisation für
                    Diese Unternehmensinitiative wurde 2003 von der Foreign Trade  Bekleidungs- und Schuhindustrie gegründete Unternehmensinitiative legt
       Association gegründet. Unternehmen aller Branchen und Regionen können den Verhal-  Standards fest an die sich Produktionsfirmen halten müssen, um zertifi-
       tenskodex und das Implementierungssystem nutzen. Es erfolgt keine Kennzeichnung der   ziert zu werden. Es gibt kein Label an der Kleidung. Zertifiziert werden
       Ware. Der Verhaltenskodex umfasst folgende 11 Themenbereiche: Versammlungsfreiheit und  ausschließlich spezifische Fabriken, es können keine Firmen oder Marken zertifiziert werden.
       Kollektivverhandlungen, faire Entlohnung, Gesundheit und Sicherheit, Schutz junger Arbeit-tt  Die 12 Prinzipien von WRAP behandeln folgende Themen: lokale Gesetzgebung, Zwangsar-
       nehmer, Zwangsarbeit, ethisches Verhalten, Diskriminierung, Arbeitszeiten, keine bedenkliche  beit, Kinderarbeit, Schikane und Missbrauch, Entlohnung, Arbeitszeiten, Diskriminierung, Ge-
       Beschäftigung, Umweltschutz und Kinderarbeit. Die Basis dafür bilden u.a. ILO Konventionen  sundheit und Sicherheit, Versammlungsfreiheit, Umwelt, Einhaltung der Zollvorschriften und
       und Deklarationen, UN Leitlinien und OECD Richtlinien. Unternehmen verpflichten sich durch  Sicherheit. Es wird zwischen Gold, Platin und Silber Zertifizierung unterschieden. Prinzipiell
       Unterzeichnung des Verhaltenskodex Maßnahmen zur Umsetzung und Einhaltung auszufüh-  erhalten Fabriken bei Einhaltung aller Standards ein 1 Jahr gültiges Gold Zertifikat. Hatte ein
       ren. Die Auditierung muss von einem anerkannten externen Prüfunternehmen durchgeführt  Betrieb 3 Jahre in Folge ein Gold Zertifikat, erhält er das für 2 Jahre gültige Platin-Zertifikat.
       werden und alle 3 Jahre wiederholt werden.           Werden von einer Produktionsstätte nicht (mehr) alle Standards eingehalten, erhält sie eine
                                                            nur 6 Monate gültige Silber Zertifizierung. Fabriken müssen nach einer Selbstevaluierung der
                                                            Prinzipien ein Audit von einem zugelassenen Monitoring Partner durchführen lassen. Auf
                  Fair Labor Association (FLA):             Grundlage des Berichts wird bei WRAP entschieden, ob eine Zertifizierung erfolgt. Zusätzlich
                                                            zu diesen Audits, die nicht terminlich festgelegt innerhalb eines Monats erfolgen, werden
                  Diese Multistakeholder Initiative mit Mitgliedern aus Unternehmen,  stichprobenartig gänzlich unangekündigte Kontrollen bei zertifizierten Fabriken durchge-
                  Universitäten und NROs wurde 1999 gegründet. In Zusammenarbeit  führt.
                  von Unternehmen, Zivilgesellschaftsorganisationen und Universitä-
       ten wird an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Gesamten und dem Schutz der
       Rechte der Arbeitnehmer gearbeitet. Die Grundlage bildet der FLA Code of Conduct, zu
       dessen Einhaltung sich die teilnehmenden Unternehmen verpflichten. Diesem liegen die ILO
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